Geschichte

Der Präsident vom Zoll

Jahrzehntelang war die im Elbstrom dümpelnde Zollbarkasse auf der so genannten schrägen Grenze zwischen Blohm & Voss und dem Hafentor den Hamburgern ein vertrautes Bild. Die Zollpontonanlage, die mehrere grüne Aufbauten trägt und in denen sich seit altersher Zolldienststellen befinden, ist für Hamburger und Besucher seitens der Promenade oder von der U-Bahn aus gut sichtbar und vermittelt die Präsenz des Zolls in Hamburgs Hafen.

Der Liegeplatz an der Innenkante des sich stromabwärts hinziehenden Auslaufs der Überseebrücke war auch der letzte Heimathafen von „Präs. Schaefer“ vor der Ausmusterung.

Die Geschichte der Zollbarkassen im Hamburger Hafen beginnt 1888 mit dem Zollanschluss Hamburgs an das Zollgebiet des Deutschen Reichs. Bis dahin war das ganze Stadtgebiet Zollausland gewesen. Der Freihafen mit seiner Freihandelszone entstand mit Abschluss des Zollanschlussvertrags, der den Hamburgern im wesentlichen zusicherte, Exportwaren im Freihafenbezirk weiterhin zollfrei lagern zu dürfen.

Als Ersatz für die während es Ersten Weltkriegs erlittenen Verluste gab die Oberfinanzdirektion Hamburg 1924 zweiidentische Zolldampfboote bei der Norderwerft Köser & Meyer in Auftrag. Als zweite Einheit kam 1925 „Präsident Schaefer“ in Fahrt.

Diese Schiffe verkörperten den kernigen Typ der Zollbarkassen im Hamburger Hafen, die eigentlich als Mehrzeckfahrzeuge zwischen Schlepper und Barkasse dienten. Sie mussten vielseitige Aufgaben erledigen und für ein Fahrtgebiet bis auf die Unterelbe einsetzbar sein. „Präs. Schaefer“ hatte eine Kolbendampfmaschine als Antrieb und erreichte mit seinen 95 PS knapp neun Knoten Geschwindigkeit. Sein Kohleverbrauch betrug gut zwei Zentner stündlich, aus seinen 4 Tonnen fassenden Bunkern.

Nachdem das neue Boot in Dienst gestellt war, wurde es zunächst vom Zollamt Müggenburg an der Peute, einem Teil im Osten des Hamburger Hafenareals, eingesetzt und versah mit zwei Mann Besatzung Streifendienst im Hafen.

Der Hamburger Senator Dr. Ludwig Schaefer war Namengeber des Schiffes. Seit 1919 stand dieser als Präsident an der Spitze des neueingerichteten Landesfinanzamtes Unterelbe in Hamburg. Im Jahre 1953 wurde der Name des Schiffes „demokratisiert“ und hieß bis zu seiner Außerdienststellung nur noch „Schaefer“.

Einzelheiten aus dem beruflichen Alltag des Schiffes sind leider nicht überliefert. Den Zweiten Weltkrieg überstand es bis auf einige Bombensplitter bei einem Fliegerangriff am 26.07.1942 fast unbeschadet. 1959 wurde „Schaefer“ auf der Werft „Pohl & Jozwiak“ im alten Kohlenschiffhafen nahe des Hamburger Köhlbrand umgebaut und erhielt einen 120 PS starken Viertakt-Dieselmotor der Firma Jastram (Bergedorf-Allermöhe) mit 4 Zylindern. Dieser Jastram-Diesel ist, nach einer Grundüberholung 1995, noch heute im Schiff und das Tuckern ist Musik in den Ohren vieler Schiffsliebhaber.

Einige Jahre später wurden dann die Ruderhaus- und Kajütaufbauten aus Holz, gegen solche aus Stahl ausgetauscht, die heute noch erhalten sind. Sie verleihen „Präs. Schaefer“ das Aussehen eines typischen Behördenfahrzeugs der 50iger Jahre.

Nach der Umrüstung auf Dieselbetrieb änderte sich auch der Aufgabenbereich des Schiffes. Fortan wurde es nur noch als Schlepper für die Zollreparaturwerkstatt eingesetzt, beförderte Dienstpost und Trinkwasser zu den schwimmenden Zolldienststellen auf Pontonanlagen und machte Kontrollfahrten mit Dienststellenleitern. Mit Schließung der Zollreparaturwerkstatt zum Jahresende 1982 verlor „Schaefer“ seine Hauptaufgabe und die Außerdienststellung war besiegelt.

In der Flotte des Museums für Hamburgische Geschichte gab es zu der Zeit eine Lücke in der Reihe historischer Behördenfahrzeuge zu schließen. So entschloss man sich 1985, nach einer Polizeidampfbarkasse und einem Feuerwehrboot, das Zollboot „Präs. Schaefer“ zu übernehmen und legte es mit einem feierlichen Übergabeakt am 23.07.1985 in den Museumshafen Oevelgönne, wo es von ehreamtlichen Besatzungen in den folgenden 10 Jahren betreut wurde.

Im Frühjahr 1995 war der Bestand des Fahrzeugs ein weiteres mal durch erhebliche Finanzmittelstreichungen in der Kulturbehörde bedroht, die das Museum zwangen, sich von „Präs. Schaefer“ zu trennen. Durch Verkauf an ein Museumshafenmitglied, ging das Boot nach 70 Jahren erstmalig von Staats- in Privateigentum über und es konnte ihm dadurch der Erhalt als Museumsschiff in Hamburg gesichert werden.

In den Folgejahren wurde mit grundlegenden Restaurierungsarbeiten begonnen: Zunächst musste die Maschinenanlage überholt werden, dann das Unterwasserschiff mit Austausch von Bodenplatten im Vorschiffbereich, Ruderanlage, Inneneinrichtung, Elektrik, Ruderhaus und Getriebe.

Seinen größten Schicksalsschlag erfuhr „Präs. Schaefer“ in der Nacht zum 05. Mai 2000, es war der Tag des Hamburger Hafengeburtstags. Unbemerkt und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ging es an seinem Liegeplatz im Museumshafen unter. Aber auch dieses konnte dem Schiff nur wenig anhaben. Nach unverzüglicher Bergung konnte es vom Eigner, seiner Crew und unzähligen spontanen Hilfskräften aus dem Verein nach nur einem Jahr wieder in Fahrt gebracht werden.

Nach den 60 Dienstjahren Streifenfahrt im Hamburger Hafen unternahm „Präs. Schaefer“ in seinen 30 Jahren als Museumsschiff attraktive Reisen über die Hafengrenzen hinaus. Neben der Unterelbe und ihren Nebenflüssen wurden die Eider und Ostsee bis in die Schlei befahren, sowie Lübeck besucht. 2001 ging es die Elbe rauf und über die Havel in die Bundeshauptstadt Berlin, wo „Präs. Schaefer“ für zwei Monate gastierte. Seine weiteste Reise unternahm das Schiff wohl 1990, nach dem Mauerfall, in die Elbmetropole Dresden.

Mit seinen nunmehr 90 Jahren soll „Präs. Schaefer“ der Nachwelt noch möglichst lange, als Zeugnis für historische Schifffahrt und Technologie im Museumshafen Oevelgönne erhalten bleiben.

Dampfboot 1925
Nach der Umrüstung auf Dieselmaschine ca.1959
Letzter Liegeplatz an der Zollstation ca.1985
Übergabe im Museumshafen
23.07.1985